Wir sind schockiert & fassungslos!
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Pressemitteilung
Statement der Tornados zu Delitzscher Zuständen und zum Überfall
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Am 18.3. mussten wir vom Naziüberfall in Delitzsch auf den Veranstalter und Gäste eines Konzerts mit den Tornados, Johnny Wolga und Skarface hören. Einer der Angegriffenen liegt immer noch schwerverletzt im Krankenhaus, wo er wiederholt operiert werden musste und mit hoher Wahrscheinlichkeit einseitig erblinden wird. Dass Menschen, die ins Feindschema der Nazis passen, in einigen Regionen kontinuierlich in Lebensgefahr schweben, ist für Radio CORAX an sich schon ein nicht hinnehmbarer Fakt. Was wir aber nun aus Delitzsch hören müssen, empfinden wir als derartig skandalös, dass wir nicht nur via Rundfunk darauf aufmerksam machen möchten.

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Anstatt dem Opfer des Überfalls, bei welchem auch seine Lebensgefährtin geschlagen und verletzt wurde, Rückendeckung und Unterstützung zuzusichern, wird in Delitzsch nunmehr das Opfer zum Täter gemacht: Der Veranstalter des Ska-Konzertes, wurde am gestrigen Donnerstag in die Räume der Stadt geladen und sah sich dort Vertretern des Ordnungsamtes, der Polizei sowie dem Bürgermeister und dem Oberbürgermeister der Stadt Delitzsch, Herrn Dr. Manfred Wilde gegenüber. Dem 26jährigen wurde mitgeteilt, dass er zukünftig keine Konzerte mehr in der Stadt veranstalten solle, bei denen Neonazis ausgeschlossen werden. Zudem sei er an dem Überfall „selbst Schuld“ und stelle mit seinem Bekenntnis, dass Nazis auf von ihm veranstalteten Konzerten unerwünscht seien, eine „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ und des "sozialen Friedens" in Delitzsch dar.  

 

 

 

Damit spielt Delitzsch den sogenannten "freien Kräften" und der im Kreistag durch Herrn Maik Scheffler vertretenen NPD in die Hände und stützt das von Neonazis propagierte Konzept der "national befreiten Zonen", in dem sie alternative bzw. nicht-rechte Jugendkultur unmöglich macht. Der vermeintliche Lösungsansatz ist so einfach wie skandalös: Ohne existierende "Feindbilder" gebe es folglich auch keine rechte Gewalt. Weiterhin wird seitens der Behörden versucht, eine für Sonntag angemeldete antifaschistische Demonstration in Delitzsch im Sinne der "Wahrung des sozialen Friedens" zu verhindern. Der Betroffene sitzt derweil zwischen allen Stühlen, fühlt sich allein gelassen und wird in in Delitzsch zum "Freiwild".

 
Delitzsch hat seit  vielen Jahre ein Nazi-Problem und auch der Umgang mit diesem hat in der sächsischen Kleinstadt Tradition. Im Jahr 2000 wollte der delitzscher Jugendverein "Die Anderen e.V."  eine Veranstaltung im örtlichen Jugendhaus YOZ durchführen. Das Konzert sollte unter dem dem Motto "Gegen Faschismus" stattfinden, was von der Stadtverwaltung mit der Begründung, es handele sich um eine "politische Agitationsveranstaltung" verboten wurde. Nach einer Klage des Vereins gegen dieses Veranstaltungsverbot wurde vom Leipziger Verwaltungsgericht festgestellt, dass der Kurs der Verwaltung rechtswidrig ist und in Folge des Urteils mußte die Stadt Delitzsch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.
 
Nach dem Bekanntwerden der "NSU"-Nazimorde im letzten Jahr kam als eine der vielen bisher nicht ausreichend beantworteten Fragen auf, welchen Einfluss eine fehlende demokratische Verantwortungskultur auf das Entstehen von Nazischläger, -mörder und -terrorstrukturen hat. Die aktuellen Ereignisse in Delitzsch verdeutlichen diesen Zusammenhang einmal mehr und dies sehr deutlich.


 

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